Helga Buchegger
Reisegeschichten

 

"Rom für Anfänger"

 

Anreise

Am Sonntag nachmittags starten wir. Wir fahren mit dem Auto zum Bahnhof St. Valentin und steigen in einen Zug nach Wien. Die Stimmung ist irgendwie "reisefiebrig", Mann und Sohn haben nicht gerade die optimale Gesprächsbasis, mir geht das auf die Nerven. Aber bis Wien beruhigt sich das wieder. Mit der Schnellbahn geht es vom Bahnhof Hütteldorf zum Südbahnhof. Dort haben wir genügend Zeitpolster, um uns für die lange Nacht der Zugsfahrt noch zu stärken. In einem der Restaurants gibt es Puten-Cordon-Bleu, hat uns sehr gut geschmeckt.

Dann steigen wir in den Zug "Allegro Tosca". Die Plätze sind natürlich reserviert. Wir verstauen unser Gepäck und machen es uns soweit als möglich gemütlich. Nicht weit von uns sitzt ein Kind mit einem Gameboy oder etwas derartigem und hat dabei die Lautstärke ganz nach oben gedreht, das Gedudel geht ewiglich und gleichförmig dahin. Ich bin Kindern gegenüber sicher ein geduldiger Mensch, aber das empfinde ich als Zumutung. Ich hoffe auf einen Zusammenbruch der Batterien, aber glücklicherweise steigt die Familie in Leoben aus.

Dafür kommt dort ein ganzer Haufen Neuankömmlinge dazu. Das Geschnatter dauert noch eine Zeitlang an, aber schließlich werden doch alle müde, und es senkt sich Ruhe über den Waggon. Wir können alle drei bei dieser immerhin insgesamt 14 Stunden lang dauernden Reise relativ viel schlafen. Die Zeit vergeht darum auch ziemlich schnell. Ich habe mich vor der elendigen Langeweile ein wenig gefürchtet, aber es ist überhaupt kein Problem.

Trotz Schlafen kriege ich die meisten Stationen mit. Venezia, Ferrara, Bologna, Firenze, Orvieto,... Als wir in Venezia-Mestre halten, denke ich mir, dass ich mich schon auf den nächsten Venedig-Besuch freue, bei Ferrara und Florenz denke ich mir, dass ich dort auch gerne mal hin möchte, ich drücke meine Nase an die Scheibe, um irgendetwas Interessantes zu sehen, aber das ist natürlich zwecklos, es gibt nur ein anonymes Lichtermeer.

Als es Morgen wird, schnabulieren wir unser mitgebrachtes Frühstück. Mein Gerhard hat die optimalen Zutaten dafür ausgesucht und alles praktisch hergerichtet: Es gibt Prosciutto Crudo San Daniele, italienische Salami und Gebäck dazu. Optimal deswegen, weil es eben schon ganz "italienisch" ist (unser Speiseplan ist allgemein sehr oft italienisch oder zumindest mediterran) und weil es außerdem Zutaten sind, die durch die lange Reise nicht gelitten haben. Auf diese Weise ist nun auch der Magen zufrieden, der Kopf und alles andere halbwegs ausgeschlafen, damit fühlen wir uns für die große Herausforderung gerüstet.

Wir wären ganz pünktlich gewesen, stehen aber kurz vor Rom noch einige Zeit in einem Vorortbahnhof. Dann sind wir aber endlich da. Roma Termini ist ein Riesen-Bahnhof. Es wälzen sich die Menschenmassen durch das Gebäude. Wir wissen, dass unser Hotel nur ein paar Querstraßen von Termini entfernt liegen soll. Das stimmt auch, aber die Via Palestro ist verdammt lang, und das Hotel liegt am genau entgegengesetzten Ende davon. Mit relativ schweren Koffern, die man auf dem unebenen Pflaster über unendlich viele Bordsteinkanten vorbei am unaufhörlich dahinflutenden Verkehr balancieren muss, wird das Ganze doch zur Strapaz.

Ich habe aus diesem Umstand eine Lehre gezogen: Ein Koffer, der Rollen und einen Griff zum Ziehen hat, ist noch lange kein Trolley. Nicht dass diese Erkenntnis jetzt sonderlich intelligent ist, das ist ja wohl ohnehin klar, wird sich jetzt manch einer denken. Okay, wir haben geglaubt, es geht locker auch so, und das war ein Irrglaube. Es ging, aber durchaus nicht locker. Man hätte ja auch ein Taxi nehmen können, aber wer tut das schon für ein paar Querstraßen? Ich krebse noch irgendwo weit hinten herum, als meine Männer bereits am Horizont im Eingang des Hotels verschwinden. Gerhard kommt aber zurück und nimmt mir das letzte Stück noch meinen Koffer ab.

Fein ist, dass wir unsere Zimmer gleich bekommen, wir waren darauf gefasst, dass wir zuerst nur das Gepäck abstellen können. Der an der Rezeption empfängt uns sehr freundlich mit einem Schwall Englisch. Ich habe überhaupt das Gefühl, dass alle Römer, die mit Touristen zu tun haben, generell gleich mit Englisch loslegen. Dass jemand auch ein wenig Italienisch kann, erwarten sie offensichtlich überhaupt nicht. Problem ist nur, dass man das "römische Englisch" einfach nicht wirklich gut verstehen kann. Diese Tatsache haben wir noch des öfteren feststellen können.

Von den Zimmern war ich im ersten Moment total enttäuscht. Klein und finster! Klein macht mir ja nichts aus, aber so trist und dunkel! Es wäre jetzt aber unfair, über das Hotel zu schimpfen. Es war wirklich alles ganz in Ordnung. Es war nur der erste Eindruck: Schwere, dunkle Vorhänge vor dem Fenster, die Wände bis zur Decke mit Stoff tapeziert (dunkelgrün-senfgelb), im gleichen Design nur umgekehrt-färbig (senfgelb-dunkelgrün) die Bettüberwürfe bis zum Boden, der Teppichboden natürlich auch dazupassend. Wir ziehen die Vorhänge zur Seite und decken das Bett ab - und gleich ist es besser.

Die italienischen Betten sind für mich überhaupt ein Unding. Wir schieben jeden Abend die Betten zusammen, jeden Tag teilt sie die Zimmerfee wieder auseinander. Wir ziehen jeden Tag das rundherum gemeinsam mit der Decke hineingestopfte Leintuch heraus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand so schlafen kann, da könnte man ja gleich die Nächte im Schlafsack zubringen. Aber jeden Tag wird das alles ordentlich wiederhergestellt und sogar der Überwurf wieder "draufmontiert". Aber sonst gibt es absolut keinen Anlass unzufrieden zu sein.

Ausgepackt ist schnell. Dann wird eine Tasche mit ein paar Utensilien hergerichtet, Wasserflasche, Reiseführer, die ausgedruckten Seiten aus dem Internet, etwas zum Naschen, wenn ein kleiner Energieschub notwendig ist, die Reste von unserem Frühstücksproviant. Die Wertsachen wie Fotoapparate und Geldtascherl werden in Innentaschen von Jacken und Mantel verstaut. Wir werden vorsichtig sein, haben wir uns vorgenommen. Dann geht es los.

 

Die kleinen Fotos von den Sehenswürdigkeiten kann man anklicken, um ein größeres Foto betrachten zu können.

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