Helga Buchegger
Reisegeschichten

 

"München, kalt aber freundlich!"

 

3. Tag:
Frühstück im Hotel, Karlstor, Kaufinger Straße, Bürgersaalkirche, Jesuitenkirche St. Michael, Dom zu unserer lieben Frau (Frauenkirche), Marienplatz, Neues Rathaus, Fischbrunnen, Mariensäule, Altes Rathaus, Viktualienmarkt, Heilig-Geist-Kirche, St. Peter (Alter Peter), Tal, Isartor, Hofbräuhaus, Alter Hof, Theatinerkirche St. Kajetan, Wittelsbacher Platz, Rückfahrt zum Hotel, Abendessen

 

In der Früh hören wir Geräusche an unserem Fenster, es sitzt eine Kohlmeise auf unserem Fensterbrett und guckt in unser Zimmer. Als wir hinausschauen, trauen wir unseren Augen kaum. Es ist alles frisch und tief verschneit, und es schneit noch immer. Diese Tatsache fördert nicht gerade unseren Unternehmungsgeist. Wir gehen erstmal frühstücken und sind dabei noch langsamer als gestern. Aber dann machen wir uns doch auf den Weg.

Heute steht die Gegend um den Marienplatz noch einmal auf dem Programm. Wir haben zwar gestern beim Spaziergang mit Karl und Rita sehr viel gesehen, aber ich habe kaum fotografiert. Das will ich heute nachholen. Wir starten wieder beim Karlstor und gehen von dort weg die Kaufinger Straße entlang. Der Gehweg ist durchgehend verschneit, es wird zwar geräumt, aber dadurch, dass es immer noch schneit, ist es ziemlich schneeglatt. Wir haben ordentliche Schuhe mit Profil an, aber trotzdem müssen wir aufpassen, nicht auszurutschen. Die Einkaufsmeile ist trotz des Wetters sehr stark bevölkert.

Einer uns entgegenkommenden Dame passiert plötzlich das, was wir die ganze Zeit erfolgreich zu verhindern versuchen: Sie stürzt. Und dann geschieht etwas in meinen Augen sehr Verwunderliches. Wir sind relativ nahe dran, aber noch bevor Gerhard einen Gedanken fassen kann, der Dame zu helfen, stehen schon mehrere andere Leute neben ihr und tun es. Man hilft ihr auch, ihre Einkaufstaschen wieder einzusammeln, fragt sie noch, ob alles okay ist, man noch gebraucht wird, ... Natürlich sollten das alles Selbstverständlichkeiten sein, aber trotzdem bin ich überrascht. Das bestätigt meine Beobachtungen, dass die Münchner außergewöhnlich freundliche Menschen sind.

Die schöne orange Fassade der Bürgersaalkirche gefällt mir, deswegen mache ich ein Foto. Im Inneren waren wir nicht, ich weiß auch gar nicht, ob sie geöffnet gewesen wäre. Dieses Barockgebäude wurde schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet und war gar nicht als Kirche geplant, daher auch der eigenartige Name und das "kirchenunähnliche" Aussehen, erst 70 Jahre später wurde es zu einem Gotteshaus umgestaltet. Nur die Fassade blieb von den Zerstörungen des 2. Weltkriegs verschont, alles andere wurde wieder aufgebaut.

Unser nächstes Ziel ist die Jesuitenkirche St. Michael. Ihre Fassade wird gerade renoviert und ist von der Spitze bis zum Boden eingerüstet und verhüllt. Die Hülle ist aber ganz genau der Realität nachgemacht, so kann man sich wenigstens vorstellen, wie das Gebäude aussieht. Der Bau wurde zu Ende des 16. Jahrhunderts begonnen. Er besitzt ein riesiges Tonnengewölbe, das zweitgrößte der Welt nach dem Petersdom in Rom. Als die Glocken in den neu errichteten Kirchturm gehängt wurden, stürzte dieser ein und beschädigte den Chor der Kirche, das Gewölbe hielt stand. Man sorgte zunächst nur dafür, dass Gottesdienste gehalten werden konnten, und baute erst nach ein paar Jahren wieder weiter, indem man den Chor verlängerte und ein Querschiff anfügte. Bei seiner Fertigstellung war das Gotteshaus dann größer als die Stammkirche der Jesuiten in Rom. Die Michaelskirche ist auch die Grablege der Wittelsbacher. 41 Mitglieder dieses Herrscherhauses sind hier beigesetzt, unter anderem auch König Ludwig II., der "Märchenkönig".

Hier im Inneren der Kirche befindet sich auch eine Text- und Foto-Dokumentation über "Zerstörung und Aufbauwille" nach dem 2. Weltkrieg. Also, es ist ja nicht so, dass man das nicht wüsste. Und es betrifft jetzt natürlich nicht diese eine Kirche, es betrifft auch nicht diese eine Stadt München. Aber einer der sich in den Vordergrund drängenden Gesichtspunkte an dieser Reise ist wohl, dass mir wieder mal so richtig bewusst wurde, was die Generation vor mir an Aufbauarbeit leisten musste. Hier in München (und auch anderswo) war so ziemlich alles kaputt, und nicht nur ein wenig, sondern richtig ... total kaputt. Alles in Schutt und Asche! Mit Fleiß und Zähigkeit hat man wieder aufgebaut, Ordnung gemacht, Altes wiederhergestellt, Reste bewahrt, Neues geschaffen. Respekt und Bewunderung dafür!

Weiter geht es die winterliche Kaufinger Straße entlang in Richtung Marienplatz. Hoppla! Da ist ja schon wieder ein "alter Bekannter". Eine Wildschweinplastik, die ganz genauso aussieht wie die der Fontana del Porcellino in Florenz, steht hier vor dem Deutschen Jagd- und Fischereimuseum. In der Auslage einer großen Parfümerie-Kette findet sich dieses Plakat: "Wo hat sich der Frühling versteckt?" ... Ja, das frage ich mich auch!

Wir biegen nun in eine kleine Gasse ein, die direkt zur Frauenkirche führt. Sie steht als nächstes auf unserer Besichtigungsliste. Sie heißt genaugenommen "Dom zu unserer lieben Frau" und wurde Mitte des 15. Jahrhunderts anstelle einer Vorgängerkirche errichtet. Mit ihren charakteristischen Zwiebeltürmen bildet sie das unverwechselbare Wahrzeichen von München. Die beiden Türme ragen etwa 99 Meter in die Höhe, sind aber nicht ganz gleich hoch, die Differenz zwischen Nord- und Südturm beträgt 12 cm. Das Gotteshaus bietet Platz für 20.000 Gläubige, was äußerst eigenartig ist, denn zum Zeitpunkt des Baus hatte München nur 13.000 Einwohner.

Auch diese Kirche wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und nachher wieder aufgebaut, von der ursprünglichen Inneneinrichtung ist kaum mehr etwas vorhanden. Der dreischiffige Kirchenraum ist hell und sehr schlicht. Beim Südeingang befindet sich das Prunkgrab Kaiser Ludwigs des Bayern (1282 bis 1347). Es besteht aus schwarzem Marmor. Der Kaiser ist in der Krypta unter der Kirche bestattet, die auch für andere Herrscher und Adelige als Grablege gedient hat.

Im Haupteingangsbereich kann man den sagenumwobenen "Teufelstritt" bewundern. Der Sage nach hat der Erbauer des Domes auf irgendeine Art den Teufel überlistet, worauf dieser wutentbrannt eine Spur im Kirchenboden hinterlassen hat. Ich muss sagen, meine Fantasie hätte sich unter einem Teufelstritt was anderes vorgestellt. Das ist eindeutig ein Schuhabdruck, also ist hier eher ein ganz normaler Sterblicher "durchgelatscht".

Im Boden sind teilweise Gitter eingelassen, und dort kommt warme Luft raus. An einem unfreundlichen, kalten Tag wie diesem ist das sehr angenehm. Rückwirkend betrachtet hat die Frauenkirche bei mir wenig Eindruck hinterlassen, ich habe auch feststellen müssen, dass ich sie fotografisch nie wirklich gut ins Bild gebracht habe.

Wir sind zwar gestern schon hier gewesen, aber nun wird der Marienplatz einer näheren fotografischen Betrachtung unterzogen. Das Wetter ist dafür ja nicht sonderlich geeignet, viele der Fotos sind "schneeflockenverziert", aber zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass morgen wieder die Sonne scheinen wird, also versuche ich einmal, die wichtigsten Ansichten festzuhalten.

Der Marienplatz ist der zentrale Platz in der Innenstadt, und das schon seit der Gründung Münchens im 12. Jahrhundert. Lange Zeit wurde hier auch der Markt abgehalten. Heute ist der Platz ein Teil der Fußgängerzone und damit verkehrsberuhigt. Das beherrschende Gebäude auf dem Marienplatz ist das Neue Rathaus. Es nimmt die gesamte Nordseite ein. Gegenüber befinden sich Geschäfts- und Bürohäuser. Im Osten liegt das Alte Rathaus, im Westen mündet die Kaufinger Straße. Unter dem Marienplatz befindet sich ein wichtiger U- und S-Bahn-Kreuzungspunkt.

Das Neue Rathaus ist ein neugotischer Prachtbau, der zu Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Architekten Georg von Hauberrisser begonnen und in mehreren Bauabschnitten fertiggestellt wurde. Die Architektur nimmt Anleihen beim Brüsseler und Wiener Rathaus. Der Komplex umfasst insgesamt sechs Innenhöfe und unzählige Gebäude auf einer Fläche von fast 10.000 Quadratmetern. Auf der Frontseite zum Marienplatz hin, sie ist circa 100 Meter lang, sind fast alle Herrscher der Wittelsbacher Linie dargestellt.

Direkt unterhalb des Turmes, auf dessen Spitze das Münchner Kindl steht, befindet sich das Haupttor, es ist schmiedeeisenverziert und in den Stadtfarben Schwarz und Gelb gehalten. Man kann von dort aus in den Prunkhof gelangen. Im Durchgang dorthin führt rechts eine Treppe in das Innere des Gebäudes. Am Treppenabsatz steht eine Statue der Justitia mit Schwert und Waage.

Der Prunkhof ist architektonisch eindrucksvoll. Kommt man - so wie wir - aus der Richtung des Haupttores, sieht man direkt gegenüber den Kassen- und Bibliothekstrakt mit einer wunderschön geschmückten Fassade. Interessant ist der Zugang zur ehemaligen Kassenhalle, die heute die Rathausgalerie beherbergt. Über diesem Portal ist nämlich in einem giebelartigen Überbau das Münchner Wappen zu sehen, links und rechts von zwei Hundefiguren flankiert. Einer der beiden wedelt freundlich und begrüßt diejenigen, die Geld für den Stadtsäckel bringen, der andere hingegen knurrt diejenigen böse an, die Geld durch diese Tür hinaustragen. Links von der Tür steht die Figur eines zahlenden Bürgers, rechts die Figur einer Frauengestalt, die eine Allegorie der Kasse darstellen soll.

Wir gehen auch in die Kassenhalle hinein. Sie hat einen schönen Marmorfußboden und eine Glaskuppel. In der Mitte befindet sich ein Brunnen. Es ist dort gerade eine Buchausstellung im Gange, und es wimmelt von Schul- und Kindergartenklassen.

Zurück im Prunkhof schauen wir uns die riesige Wendeltreppe genauer an, die sich auf der Westseite des Hofes befindet. Die "Treppe der Menschenalter" zeigt auf ihren Strebepfeilern Figuren vom Kind bis zum Greis, der ganze Turmbau ist mit Wasserspeiern in allen möglichen Gestalten verziert.

Wir verlassen den Hof wieder, denn langsam nähern sich die Zeiger der Uhr der Mittagsstunde. Das ist deswegen bedeutend, da wir kurz vor 12 Uhr wieder auf dem Marienplatz sein wollen, um das weltbekannte Glockenspiel im Turmerker zu hören und zu beobachten.

Auf zwei Ebenen bewegen sich seit dem Jahre 1908 jeden Tag um 11 Uhr, 12 Uhr und 17 Uhr (der Nachmittagstermin fällt in der Wintersaison aus) verschiedene Figuren, z.B. Schäfflertänzer, das Münchner Kindl, ein Engel, ein Nachtwächter, ... auch ein Turnier, das im 16. Jahrhundert anlässlich irgendeiner Herrscherhochzeit auf dem Marienplatz abgehalten wurde, wird hier dargestellt. Vor einigen Jahren wurde diese Münchner Sehenswürdigkeit aufwändig restauriert.

Es versammeln sich schon ziemlich viele Menschen vor dem Rathaus, um diesem Spektakel beizuwohnen. So auch wir ... aber ich muss gestehen, dass es mich nicht sonderlich beeindruckt. In Prag ist es mir ähnlich ergangen, ich kann mich für sowas einfach nicht wirklich begeistern. Wir warten nicht einmal das Ende ab.

Unterhalb des Glockenspieles sei noch die Königslaube erwähnt, sie wird von den Standbildern vier bayerischer Könige geschmückt. Dahinter liegt der ehemalige Repräsentationsraum des ersten Bürgermeisters.

An einem Erker am linken Eck des Rathauses fällt mir die Darstellung eines Drachen ins Auge. Was es mit ihm für eine Bewandtnis hat, habe ich allerdings nicht herausgefunden. Weiters ist eine Reiterfigur, die sich ziemlich zentral auf der Fassade befindet, erwähnenswert. Es handelt sich um Prinzregent Luitpold.

Noch weiter rechts befindet sich wiederum ein Eingangstor, durch eine schmiedeeiserneTüre und eine Säulenhalle erreicht man einen eher schlichten Hof in rotem Backstein. Wir gehen wieder zurück auf den Marienplatz. Vor dem zuletzt erwähnten Tor befindet sich der Fischbrunnen. Auch hier bin ich wieder verwundert, dass er nicht über den Winter hinter Holzplanken verschwunden ist. Die Figuren sind zum Großteil mit Eis "überströmt".

Der Brunnen stammt vom Bildhauer Konrad Knoll und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in der Gießerei von Ferdinand von Miller hergestellt. Hier wurden jedes Jahr am Rosenmontag die Metzgergesellen "freigesprochen", indem sie im Brunnen untergetaucht wurden. Ursprünglich waren viel mehr Figuren aufgestellt, aber im 2. Weltkrieg wurde die Anlage schwer zerstört und später unter Verwendung der noch vorhandenen Figuren wieder aufgebaut. Alljährlich findet hier am Aschermittwoch das Geldbeutelwaschen mit dem Oberbürgermeister statt. Wer da mitmacht, kann das ganze Jahr über davon ausgehen, keine Geldsorgen zu haben. Naja ... wenn es hilft!?!

Der Fischbrunnen ist DER Verabredungsplatz in München, egal wozu und mit wem man sich trifft ... die Abmachung lautet "beim Fischbrunnen". Karl hat uns da aber gestern noch eine nicht unwichtige Zusatzinformation geliefert, die da lautet: Am Fischbrunnen dürfen sich nur junge Leute verabreden. Für die nicht mehr ganz so jungen ist die Mariensäule viel passender. Darum hat er auch den Treffpunkt mit uns dort gewählt.

Ach ja! Die Mariensäule fehlt ja noch in meiner Beschreibung. Kurfürst Maximilian I. ließ sie im Jahre 1638 zum Dank für die Schonung der Stadt im 30-jährigen Krieg errichten. Die über zwei Meter hohe Marienstatue war zu diesem Zeitpunkt bereits fast 50 Jahre alt und hatte schon einiges an Geschichte hinter sich. Sie war ursprünglich für das Stiftergrab in der Michaelskirche gedacht, zierte dann den provisorischen Hauptaltar der Frauenkirche und wurde erst dann auf diesem Platz auf einem roten 11 Meter hohen Monolith aufgestellt.

Maria ist gänzlich vergoldet und steht auf einer Mondsichel. Die Säule bildet den Referenzpunkt der Landvermessung in Bayern. Umrahmt wird sie von vier bronzenen Putti, die Originalfiguren sind mittlerweile im Museum untergebracht. Sie stellen den Sieg Marias über Hunger (Drache), Krieg (Löwe), Pest (Basilisk) und Ketzerei (Schlange) dar. Warum ich die Marienfigur nur von hinten fotografiert habe? Ich habe keine Ahnung, aber es ist leider so.

Das Alte Rathaus liegt im Osten des Marienplatzes. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts erstmals erwähnt war es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Sitz des Münchner Stadtrates. Es wurde immer wieder erneuert und umgebaut und nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs dem gotischen Original aus dem 15. Jahrhundert nachempfunden. Heute ist darin ein Spielzeugmuseum eingerichtet. Der Festsaal wird für diverse Feierlichkeiten verwendet. Ich finde das Alte Rathaus sehr fotogen, speziell mit der Mariensäule im Vordergrund gefällt es mir.

Wir biegen nun von dort weg leicht rechts ab und durchqueren auch heute noch einmal den Viktualienmarkt. Trotz des wirklich grauslichen Wetters ist hier ziemlicher Betrieb. Wer meine bisherigen Reisegeschichten kennt, weiß mittlerweile sicher schon, dass ich sehr gerne buntes Markttreiben fotografiere. Auch hier kann ich es natürlich nicht lassen.

Wir besuchen anschließend die Heilig-Geist-Kirche. Sie liegt in unmittelbarer Nähe des Viktualienmarktes, ihr Vorgängerbau war romanisch, errichtet wurde sie in gotischem Stil, und später erfolgte eine Barockisierung. Auch hier ist es wieder so, dass die nach dem Krieg nahezu vollständig zerstörte Kirche wieder aufgebaut werden musste.

Genauso wie der Alte Peter, der aber auch schon vorher eine sehr bewegte Geschichte hinter sich hatte. Der Name stammt aus dem Volksmund, richtig heißt diese Kirche einfach nur St. Peter. Sie steht auf dem Petersbergl, einer kleinen Erhebung (man merkt kaum, dass man bergauf gehen muss, und es sind nur ein paar Schritte) inmitten der Altstadt, unweit des Viktualienmarktes und des Marienplatzes.

Sie ist die älteste Pfarrkirche der Stadt und eines der Münchner Wahrzeichen. Unter der Kirche wurden Gewölbe aus vor-merowingischer Zeit gefunden. Später gab es hier ein romanisches Gotteshaus, auf dessen Platz dann die heutige Kirche in gotischem Stil errichtet wurde. Sie hatte ursprünglich zwei Türme, die im 14. Jahrhundert bei einer Brandkatastrophe zerstört und durch den heutigen Turm ersetzt wurden. Im 18. Jahrhundert wurde eine Umgestaltung im Stil des Rokoko durchgeführt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Alte Peter in letzter Minute gerettet, die ausgebrannte Ruine war bereits zur Sprengung freigegeben. Man hat die Kirche dann originalgetreu nachgebaut, als gotische Pfeilerkirche mit einer Rokoko-Ausstattung.

Als wir St. Peter betreten, kommt uns ein starker Geruch von Weihrauch entgegen. Es muss hier gerade vorher eine Andacht oder Messe stattgefunden haben. Ich empfinde das eher als angenehm, obwohl es sehr intensiv ist. Überhaupt sind am heutigen Tag die Kirchen eine willkommene Gelegenheit, sich auszuruhen und aufzuwärmen, denn sie sind alle behaglich geheizt.

Wir gehen dann zurück bis zum Alten Rathaus, unter dessen Torbogen hindurch und befinden uns dann im "Tal". So lautet die Bezeichnung der Straße, die bis zum Isartor führt. Dieses ist - wie bereits erwähnt - das dritte Stadttor, das auf die mittelalterliche Befestigung zurückgeht, als einziges der drei ist es weitgehend erhalten geblieben. Es besteht aus einem Hauptturm und zwei achteckigen Vortürmen, die mit einem Torbau verbunden sind, wodurch sich ein Innenhof bildet. Das in Richtung stadtauswärts angebrachte Fresko stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und zeigt den Siegeseinzug Ludwig des Bayern nach der Schlacht bei Ampfing.

In den beiden Vortürmen ist das Valentin-Karlstadt-Musä(!)um zu Ehren der beiden bekannten Münchner Komiker untergebracht. So heißt auch der Nordturm "Liesl-Karlstadt-Turm" und der Südturm "Karl-Valentin-Turm". Auf dem Hauptturm befindet sich auf beiden Seiten jeweils eine Turmuhr. Die eine funktioniert ganz "normal", die andere, in Richtung Tal zeigende, läuft verkehrt herum.

Wir gehen dann zurück Richtung Stadtzentrum, halten uns aber leicht rechts, sodass wir zum Platzl kommen. Das Hofbräuhaus wird noch einmal fotografiert, denn gestern habe ich nur den Erker aufs Bild gebannt. Weiter geht es bis zum Alten Hof. Hier soll der Wittelsbacher Kaiser, Ludwig der Bayer (1282-1347) den ersten festen kaiserlichen Herrschaftssitz in Deutschland eingerichtet haben. Spuren von Besiedlung gehen an dieser Stelle sogar zurück bis ins 10. Jahrhundert. Bis ins 18. Jahrhundert wurde hier immer wieder mal auf-, um- und neugebaut. Da aber im 2. Weltkrieg fast alles zerstört und in den Jahren danach neu errichtet wurde, ist die Bezeichnung Alter Hof ein Widerspruch in sich. "Alt" ist hier wirklich gar nichts mehr, denke ich.

Eine lustige Geschichte rankt sich um einen Erker am Burgstock, so heißt einer der Trakte. Man spricht vom "Affenturm", denn hier soll ein zahmer Affe aus der herzöglichen Menagerie den kleinen Ludwig entführt und erst wieder nach gutem Zureden unversehrt in die Wiege zurückgebracht haben. Nett ist die Geschichte ja, aber unmöglich. Denn der Erker wurde um 1470 erbaut, Ludwig hat aber bereits 1347 das Zeitliche gesegnet. Irgendwie geht sich das nicht aus! Heute ist im Alten Hof ein Museum eingerichtet, und er beherbergt auch moderne Büro- und Wohngebäude.

Wir sind nun wieder in der Nähe des Marienplatzes und kommen an einem Foto-Geschäft vorbei. Es passiert ganz unerwartet ... ich schaue nur ganz unverbindlich neugierig in die Auslage ... Gerhard bugsiert mich sogleich mit sanftem Druck hinein ... und ich gehe wenig später mit einer neuen Kamera in der Tasche wieder hinaus. Ich wollte mir schon längst ein Gerät zulegen, bei dem ich etwas mehr Möglichkeiten für manuelle Einstellungen habe, aber ich war bis dorthin noch nie zu einer Entscheidung gekommen. Der Preis hat zufällig gepasst, was mich eigentlich sehr verwundert hat, denn im Zentrum von München hätte ich ein deutlich höheres Preisniveau als in einer Elektromarkt-Kette erwartet. Aber ich nehme an, dass mein Modell schon wieder von einer aktuellen Variante abgelöst wurde und deswegen günstig zu haben war.

Eigenartigerweise sind wir bei der Person des Verkäufers in diesem Fotogeschäft - ich nehme an, dass es der Besitzer war - dem einzigen Münchner begegnet, der nicht auffallend freundlich war ... also auch nicht richtig unfreundlich ... aber irgendwie gar nicht sonderlich begeistert, dass ihm so eine doofe Touristin, die auch noch eine Beratung haben will (und womöglich dann gar nichts kauft), die Zeit stiehlt. Wie auch immer ... plötzlich bin ich im Besitz einer Canon Powershot SX200. Leider muss der Akku erst aufgeladen werden, denn am liebsten hätte ich gleich losfotografiert.

Die Theatinerkirche St. Kajetan steht noch auf dem Programm. Am Odeonsplatz in der Nähe der Feldherrnhalle gelegen, haben wir sie von außen schon gesehen, und ich habe auch bereits Fotos davon. Ihre charakteristische gelbe Fassade ist ja sehr auffällig. Nun möchten wir auch das Innere besichtigen.

Den Namen hat die Kirche vom Theatiner-Orden, ich gestehe, dass ich davon noch nie vorher gehört habe. Der Gründer dieses Ordens war der Heilige Kajetan, die Errichtung dieses Gotteshaus geht auf ein Gelübde zurück, und zwar von Kurfürst Ferdinand Maria und seiner Gattin Henriette Adelaide von Savoyen, anlässlich der Geburt eines Thronfolgers und späteren Kurfürsten Max Emanuel im Jahre 1662. Mittlerweile wird die Kirche aber von den Dominikanern betreut.

Die Kirche Sant'Andrea della Valle in Rom diente als Vorbild. Das Innere der Kirche ist im Gegensatz zur intensivfarbigen Fassade ganz hell ausgestattet und prächtig mit Stuckarbeiten verziert. Sehr beeindruckend! Die Eingangswand ist ähnlich einer Triumph-Pforte gestaltet. Die Kuppel ist achtteilig gegliedert, mit großen Figuren geschmückt und mit unsichtbaren Spiegeln ausgestattet, die das Tageslicht irgendwie umlenken. Das habe ich gelesen, aufgefallen wäre es mir nicht, aber wahrscheinlich wird die helle, strahlende Gesamtwirkung des ganzen Gotteshauses dadurch positiv beeinflusst. Unnötig zu erwähnen, dass auch diese Kirche im 2. Weltkrieg schwer zerstört und nachher wieder aufgebaut wurde.

Als wir wieder zurück auf den Odeonsplatz treten, hat sich das Wetter weiter verschlechtert. Es schneit jetzt ganz dicht und nass, in großen Flocken. Wir gehen noch weiter bis zum Wittelsbacher Platz, ein von einheitlich wirkenden klassizistischen Fassaden gesäumter Platz, zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschaffen vom Architekten Leo Klenze, im Krieg zerstört und originalgetreu wieder nachgebaut. Das Reiterstandbild in der Mitte des Platzes zeigt Kurfürst Maximilian I. Es finden sich dort unter anderem das Palais Arco-Zinneberg im Paladio-Stil, das Palais Ludwig Ferdinand und das Palais Leuchtenberg, das mit seiner zweiten Gebäudefront zum Odeonsplatz hin gerichtet ist. Letzteres ist das größte Palais in München und beherbergt heute das Finanzministerium. Benannt ist es nach dem Herzog von Leuchtenberg, einem Stiefsohn Napoleons.

Ich muss zugeben, dass ich diese Gebäude nicht wirklich wahrgenommen habe. Vom Wetter haben wir jetzt nämlich schön langsam die Nase voll. Es macht einfach keinen Spaß mehr. Es ist zwar erst Mitte des Nachmittags, aber wir treten die Rückreise ins Hotel an. Dort angekommen machen wir es uns gemütlich. Ich beschäftige mich mit Notizen zu den in den letzten Tagen besuchten Sehenswürdigkeiten und packe meine neue Kamera aus.

Am Abend gibt es dann noch einmal ein wirklich spitzenmäßiges Essen im "La Romantica", das wir schon an den Vortagen besucht haben. Ich habe meinen lobenden Worten vom ersten Besuch dort nichts mehr hinzuzufügen. Es hat einfach prima geschmeckt.

 

Die kleinen Fotos von den Sehenswürdigkeiten kann man anklicken, um ein größeres Foto betrachten zu können.

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